monica & das projekt

Monica Imanga, Jahrgang 1965, geb. in Südafrika, seit vielen Jahren wohnhaft in Katutura, Mutter von vier Kindern (George, Peacemaker, Gregory und Jennyfer), ist jene Frau, die Tag für Tag um 5.00 Uhr morgens für etwa 200 Kinder Essen zubereitet, mit zwei großen Töpfen im Taxi zur Suppenküche fährt, den gesamten Vormittag dort verbringt und keinen Cent an dieser Arbeit verdient. Dabei muss an dieser Stelle betont werden, dass ihre Familie durchaus nicht als wohlhabend bezeichnet werden kann.
Um euch Monica und ihr Projekt etwas genauer vorzustellen und euch einen tieferen Einblick in das Geschehen zu geben, habe ich (Barbara) ihr ein paar Fragen gestellt, die wie folgt beantwortet wurden:
Seit wann gibt es die Suppenküche am Goreangab Dam und wie hat alles begonnen?
Die Suppenküche gibt es seit 2007. Es begann damit, dass ich Eileen, eine kanadische Krankenschwester, die für einige Zeit im Katutura State Hospital arbeitete, kennenlernte. Den Gedanken eine Suppenküche zu gründen, hatte ich schon lange, doch nie war das Kapital vorhanden, um diese Idee zu verwirklichen.
Eileen, sie war lang genug in Katutura, um zu sehen, wo das Leid am größten ist, war sehr angetan von dem Konzept und half mir enorm – nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch beim Aufbau des Projekts. Dabei handelte es sich nicht um den Bau eines Hauses, sondern um die Finanzierung vom Nötigsten: Töpfe, Teller, ein Tisch und – natürlich – das Essen an sich.
Im ersten Jahr fand das ganze Geschehen im Freien statt. Erst 2008, als ich eine junge Krankenschwester aus Schweden kennenlernte, änderte sich die Situation. Frida engagierte sich, setzte sich für die Suppenküche ein und schaffte es tatsächlich einen ansehnlichen Geldbetrag zusammen zu tragen, mit dem wir unsere kleine Wellblechhütte aufbauen konnten.
Was hast du davor gemacht?
Bevor ich mit der Suppenküche begann, war ich ein Jahr lang als Manager in einem Guesthouse in Windhoek tätig. Bald lernte ich glücklicherweise Eileen kennen, die damals während ihres Namibia-Aufenthalts dort wohnte.
Warum machst du das? Verdienst du daran etwas?
(lacht) Nein, ich verdiene nichts, auch wenn das die meisten Leute nicht glauben wollen. Man könnte sagen, diese Arbeit ist ein Volunteer-Projekt auf Lebenszeit. Doch wenn ich täglich das große Bedürfnis bzw. diese ärmlichen Verhältnisse sehe, werde ich immer daran erinnert, welche Rolle ich in diesem Umfeld spiele und wie wichtig die Suppenküche in diesem Stadtteil ist – manche von den Kindern bekommen nur einmal am Tag etwas zu essen.
Es geht schließlich nicht nur darum, den Kids Nahrung zu geben, sondern im weiteren Sinne auch darum, diese von der Straße fernzuhalten – dazu gehört unter anderem Aufmerksamkeit schenken, spielen, reden, etc.
Wer ist aller in das Projekt involviert?
Ich arbeite so gut wie jeden Tag mit Sandra, einer langjährigen Freundin, zusammen. Sie stellte uns das kleine Stückchen Land zur Verfügung, auf dem wir unsere Suppenküche erbaut haben. Jeden Morgen, von Montag bis Freitag, hilft sie mir all die Kinder im Zaum zu halten, das Essen auszuteilen, den Abwasch zu machen, etc. Sandra ist eine große Hilfe.
Peacemaker, mein zweitältester Sohn, ist ab und an ebenfalls vor Ort. Er ist auch derjenige, der am Abend zuvor oder in aller Frühe das Kochen übernimmt, wenn ich keine Zeit dazu habe.
Natürlich dürfen wir Eileen nicht vergessen, auch wenn sie so weit entfernt wohnt. Mit ihr hat alles begonnen und auf ihre Unterstützung können wir stets zählen.
Woher bekommst du das Geld für das Essen?
Wie bereits erwähnt, bekommen wir von Eileen immer wieder eine kleine Spende. Da sie im Katutura State Hospital arbeitete, knüpfte auch ich dort einige Kontakte und so sendet dieses Krankenhaus gelegentlich auszubildende Krankenschwestern aus den Niederlanden, die im Hospital ein Praktikum absolvieren. Meist bringen diese Essen mit oder mir wird eine Geldspende übergeben.
Außerdem kommen, großteils durch Zufallsbekanntschaften, ab und an auch Touristen vorbei, die einen Tag lang aushelfen wollen. So ergeben sich immer wieder neue, nette Bekanntschaften.
Wie kommst du zur Suppenküche? Wie hoch sind die Taxikosten?
Da die Distanz von meinem Haus bis zur Suppenküche recht weit ist und ich zwei große Töpfe (einen für die Sauce und einen für Papp, Reis oder Nudeln) dorthin transportieren muss, bleibt mir nichts anderes übrig, als die Strecke mit dem Taxi zurückzulegen. Das heißt, ich muss täglich N$ 16.- für die Taxifahrt (Hin- und Rückweg) einplanen.
N$ 1,0003 = € 0,104
Stand: 14. Juli 2010 (de.finance.yahoo.com)
Wie schaut der tägliche Rhythmus in der Suppenküche aus?
Viele Kinder, vor allem diejenigen, die in der engsten Nachbarschaft wohnen, trudeln so gegen 9.00 Uhr ein. Sie platzieren die Stühlchen im Raum und warten auf die anderen Kids, die einen etwas längeren Fußmarsch bewältigen müssen.
Gegen 9.30 Uhr sind die meisten in der Suppenküche versammelt und gemeinsam mit über 100 Kindern (großteils sind es zwischen 150 und 200) beginne ich zu singen. Je nach Lust und Laune stimme ich 3 bis 6 Lieder an, wobei alle begeistert mitmachen. Den Abschluss bildet das Vater Unser.
Anschließend starten Sandra und ich mit der Essensausgabe. Für gewöhnlich bekommt jedes Kind eine einzige Portion. Wie groß diese ist, hängt vom Alter des Kindes ab. Wir beginnen bei den Jüngsten, welche stets in den ersten Reihen sitzen. So arbeiten wir uns weiter bis zu den 12-Jährigen, die am hinteren Ende des Raumes auf ihre Mahlzeit warten. Manchmal reicht der Topf mit Papp, Reis oder Nudeln nicht aus und die Jugendlichen, die am längsten auf ihr Essen warten müssen, bekommen nur mehr zwei Scheiben Brot mit Sauce.
Wenn von der Fisch-Erbsen-Linsen-Sauce gegen 13.00 Uhr noch etwas vorhanden ist, warten wir auf die älteren Kinder, die nach der Schule einen Abstecher in die Suppenküche machen, um noch einen Teller zu ergattern.
Wie hoch sind die anfallenden Essenskosten?
Die Essenskosten pro Tag liegen zwischen N$ 220.- und N$ 250.-.
Sauce (Fisch mit Bohnen, Linsen oder Erbsen – variiert):      N$ 200.-
5 kg Pap:                                                                                                       N$ 20.-
5 kg Reis:                                                                                                      N$ 40.-
3 kg Nudeln:                                                                                                N$ 45.-
N$ 1,0003 = € 0,104
Stand: 14. Juli 2010 (de.finance.yahoo.com)
Bekommen die Kinder zu Hause regelmäßig etwas zu essen?
Das lässt sich schwer verallgemeinern. Es gibt Familien, bei denen es an manchen Tagen Essen gibt, bei anderen ist dies nicht der Fall, da kein Geld dafür vorhanden ist.
Aus Erfahrung weiß ich, dass einige Kinder ihre einzige Mahlzeit in der Suppenküche bekommen.
Sind unter diesen Kindern viele Waisen?
Wir haben hier ca. 50 Waisen. Sie leben bei Familienangehörigen, meistens bei den Großeltern.
Das größte Problem stellt die hohe HIV-Rate dar – Todesursache der verstorbenen Eltern war in vielen Fällen Aids.
Da ich die nächste Frage schon ahne, kann ich sie auch im selben Atemzug beantworten: Von einigen Kindern ist uns der HIV-Status bekannt, von anderen nicht. In anderen Worten ausgedrückt: Ja, manche von ihnen sind HIV-positiv.
Wie hoch sind die Krankenhauskosten?
Die billigste Klinik kostet N$ 4.- pro Kind. Entscheidet man sich für das Katutura State Hospital sind es schon N$ 8.- pro Kopf und Nase. Außerdem darf man die anfallenden Taxikosten nicht vergessen. Das heißt im Klartext: Die meisten Eltern haben schlichtweg kein Geld, um ihre Kinder behandeln zu lassen.
N$ 1,0003 = € 0,104
Stand: 14. Juli 2010 (de.finance.yahoo.com)
Gehen alle Kinder zur Schule bzw. wie hoch sind die Kosten für ein Schuljahr inkl. Uniform?
Nein. Bei weitem nicht alle. Auch hier spielt Geld eine entscheidende Rolle.
Die Kosten für ein gesamtes Jahr an einer Grundschule betragen ca. N$ 2.000.-, eine High School verlangt ca. N$ 2.500.- pro Jahr. Hier sind allerdings ALLE Kosten, auch Winter-/Sommer-Bekleidung, bereits inkludiert.
Hast du Pläne für die Zukunft?
Pläne für die Zukunft? Hiervon gibt es viele. Ich möchte gerne ein Waisenhaus aufbauen, ein Grundstück dafür habe ich bereits beantragt,… doch die Regierung benötigt enorm viel Zeit, um mein Anliegen zu bearbeiten.
Bis dahin versuchen wir den Boden der Suppenküche neu zu zementieren – zurzeit besteht dieser mehr aus Sand und Staub als aus Zement. Ein weiteres Ziel ist es Stühle oder Bänke günstig zu erwerben, denn an manchen Tagen warten viele Kinder VOR der Suppenküche, da nicht genügend Sitzmöglichkeiten geboten werden können.
Des Weiteren versuchen wir natürlich auch immer wieder Schulgeld und Unterstützung für die grundlegende medizinische Versorgung zu sichern, was alles andere als leicht ist.
Monica beendet unsere Unterhaltung mit ihrem so oft verwendeten und mir mittlerweile sehr vertrauten Satz: „I hope and pray that things will work out!“
Kontakt: monica.imanga@homeofgoodhope.com